Geschichte des Maimarktes

Der Markt "uf Philippi Jacobi"
Der Mannheimer Maimarkt blickt auf eine fast 400-jährige Geschichte zurück...
(zum Jubiläumsbuch)

Bild vom Mannheimer Maimarkt 1949 im Rosengarten
Maimarkt im Rosengarten 1949

Der Mannheimer Maimarkt ist eine der ältesten Institutionen Mannheims. Im Jahr 1613 verlieh Pfalzgraf Johann II. von Zweibrücken der gerade mal sechs Jahre jungen Stadt Mannheim die Marktprivilegien mit den Worten: "Wir Johannes von Gottes Gnaden, bekennen undt thun kundt, Nachdem die ersamen unsere lieben getreuen, der Churfürstlichen Pfalz Underthanen Schultheiß Rhat undt ganze Gemeindt zu Manheim, uns Supplicando underthenigst ... darumben gebeeten, Sie mit zweyen Jahrmärckten, den einen uf Philippi Jacobi undt den andern acht tage vor Michaelis genadiglich zu befreyen undt zu begnaden, ... genadiglich gegönt, bewilligt und erlaubt haben." Seitdem wird der Maimarkt durchgeführt und hat die Stadt, von Kriegs- und Seuchenzeiten abgesehen, bis heute durch die Jahrhunderte begleitet. In Briefen, Erinnerungen und Reiseberichten (unter anderem von Kurfürst Karl Ludwig) wird der Maimarkt zu allen Zeiten erwähnt. (Folder zum Download

Bild vom Mannheimer Maiamarkt auf dem Schlachthof
Maimarkt auf dem Schlachthof

Aufgrund seiner Lage als Zollstätte und Verkehrsknoten mit Fährverbindungen über Rhein und Neckar hatte Mannheim früh eine gewisse Bedeutung als Handelszentrum für Güter, die über den täglichen Bedarf hinausgingen, und für solche, die aus entfernteren Regionen eingeführt werden mussten. Die Verleihung des Messeprivilegs bedeutete für Mannheim nichts anderes als die Einlösung der bereits in den städtischen Privilegien von 1607 gegebenen Versprechen. Das bunte Treiben von einheimischen und auswärtigen Krämern sowie von Viehhändlern spielte sich anfangs auf dem Marktplatz ab. Die Beliebtheit des Marktes wuchs ständig; bereits im 18. Jahrhundert war das G1-Quadrat zu eng. Vom Marktplatz zog man daher unter die Arkaden des Kaufhauses und auf den davor liegenden Paradeplatz. Die Gatter der Pferdehändler fanden auf den Planken Platz. 1803 rangen sich die Stadtväter dazu durch, eine Marktordnung zu beschließen. Im Jahr 1876 wurde die Vergnügungsmesse, bis dahin ein Bestandteil des Maimarkts, abgetrennt und auf den Alten Messplatz verlegt. Bis heute findet zeitgleich zum Maimarkt und noch einmal Ende September die "Mannemer Mess" auf dem Neuen Messplatz statt.

 

Bild vom Mannheimer Maimarkt vor dem Rosengarten
Maimarkt im Rosengarten

Ein festes Domizil fand der Maimarkt im Jahr 1900 auf dem gerade eröffneten städtischen Schlacht- und Viehhof. Allein am 1. Mai logierten 1.400 Gäste in den Mannheimer Hotels, und eine Lokalzeitung jubelte: "Welch schönes Geld nach Mannheim fließt!". In den folgenden Jahren wird, unterbrochen durch die Weltkriege, über ein kontinuierliches Auf und Ab des Maimarktgeschehens berichtet. In den 20er und 30er Jahren tritt der historische Viehmarkt gegenüber dem großen kulturellen Rahmenprogramm etwas in den Hintergrund; hinzu kommen eine Erfindermesse und eine Landwirtschaftsmesse. Der erste Maimarkt nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1949 im Rosengarten statt. Etwa 300 Aussteller präsentierten hier ihre Nachkriegsware. Rund 50.000 Besucher wurden gezählt. Bereits ab 1950 war wieder der Schlachthof das Zuhause des Maimarkts, aber aus dem einstigen Renner war ein Sorgenkind geworden. 1958 schließlich kamen, selbst bei großzügiger Schätzung, nur noch etwa 17.000 Besucher. Was tun, fragten sich die Stadtväter. Probeweise wurde 1961 ein Teil der Ausstellung auf den Friedensplatz verlegt. 1962 wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht. Der Maimarkt zog komplett auf den Friedensplatz um, Organisation und Leitung wurden der Mannheimer Ausstellungsgesellschaft (MAG) übergeben. Das bisherige Konzept wurde vollständig überarbeitet. Aus dem Viehhandel wurden Tierschauen mit Tierprämierungen. Hochwertige Haushaltsgeräte, Textilien, der große Bereich Bauen und Wohnen und allerlei Technik wurden zu bestimmenden Faktoren. Auch ein erstes Fertighaus konnte bestaunt werden. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Bereits im ersten Jahr unter neuer Leitung kamen 106.000 Besucher auf den Friedensplatz.

 

Bild vom Mannheimer Maimarkt auf dem Friedensplatz
Maimarkt auf dem Friedensplatz

Ein weiterer zunächst skeptisch betrachteter Umzug stand für das Jahr 1985 bevor, in dem der Maimarkt dem Neubau des Landesmuseums für Technik und Arbeit wich. Verkehrsgünstig liegt das neue Maimarktgelände nun vor den Toren der Stadt auf dem Mühlfeld. Jegliche Bedenken waren nach den 442.975 Besuchern 1985 und hervorragenden Geschäften beseitigt. 1989 wurde als erste feste Ausstellungshalle die Maimarkthalle gebaut, die ganzjährig genutzt wird. Seit Jahren ist der Mannheimer Maimarkt mit rund 350.000 Besuchern, rund 1.400 Ausstellern und rund 75.000 Quadratmetern vermieteter Netto-Ausstellungsfläche in allen drei Kennzahlen FKM-geprüfter Spitzenreiter unter den deutschen Regionalausstellungen. Das Einzugsgebiet hat einen Radius von mehr als 150 Kilometern. Einen hervorragenden Ruf genießt das Maimarkt-Reitturnier, bei dem sich internationale Reiterstars messen. Einer der besucherstärksten Tage ist immer noch "Philippi Jacobi" - der 1. Mai. Und der traditionelle Maimarktdienstag gilt in Mannheim und Umgebung schon beinahe als beweglicher Feiertag.